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Von Lausanne am Genfer See nach Scuol im Engadin (650km)

Ein Eldorado für den Reiseradler bietet die Schweiz  mit ihren über die Landesgrenzen hinweg bekannten Velorouten. Ausgerüstet mit zwei für die Schweizer Berge bestens geeigneten Maxcycle Ultralight Rädern und "sparsam" gepacken Ortlieb-Taschen starten wir von Lausanne am Genfer See zuerst auf der Rhoneroute (Veloroute 1) durch das französisch-sprachige Unterwallis bis ins deutschsprachige Oberwallis. Im zunächst noch sehr breiten Tal ermöglicht ein konstanter, starker Westwind lange Tagesetappen und eine respektable Reisegeschwindigkeit. Im oberen, schmaleren Teil hingegen verlässt die Route oft den Talgrund und präsentiert dem Radler diverse knackige Anstiege.
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Der Höhepunkt dieses Routenabschnitts folgt ab Oberwald. Während die Matterhorn-Gotthard-Bahn hier im Furka Basis Tunnel verschwindet und die Autos den komfortablen Bahnverlad wählen können, liegen 1060 Höhenmeter in zahlreichen Kehren den Furka hinauf vor uns. Auf dem Weg hinauf lohnt eine Rast am Hotel Belvédère mit seiner Aussichtsterrasse auf den Rhonegletscher. Nach weiteren knapp 200 Höhenmetern ist dann der 2.436 m hohe Furka-Pass erreicht. Bis zum Endpunkt der Veloroute 1 in Andermatt erwartet uns eine grandiose, 20 km lange Abfahrt mit zahlreichen Serpentinen und herrlichen Ausblicken auf das hochalpine Panorama.

In Andermatt kreuzen wir die Nord-Süd-Route, die über den Gotthard ins Tessin führt.

Unser Weg führt weiter durch das Rheintal (Veloroute 2) nach Graubünden. Wir entschliessen uns, wegen schlechter Wettervorhersagen, nicht im 1600 m hohen Andermatt zu übernachten, sondern noch am selben Tag ins Rheintal abzufahren. Vorher gilt es aber noch den 2.046 m hohen Oberalp-Pass zu überwinden. Begleitet vom Glacier-Express "arbeiten" wir uns weitere 610 Höhenmeter hinauf und geniessen eine herrliche Rast auf der Terrasse der Ustria Alpsu (Restaurant). Zur Belohnung gibt's für jeden eine Tasse heiße Ovomaltine und ein Stück "Torta della Nonna", serviert von der wohl freundlichsten Bedienung der gesamten Schweiz.

Anschließend war es ein leichtes, die 23 km und 860 Höhenmeter durch das obere Rheintal hinab nach Disentis zu sausen. Auf dem weiteren Weg in das 3000 Jahre alte Chur überraschte uns der "Grand Canyon der Schweiz", von den Einheimischen Ruinaulta (hohe Ruine) genannt. Hier schneidet sich der Rhein in einer wilden Schlucht durch die Trümmermassen eines Bergsturzes, der sich vor 14.000 Jahren ereignet haben soll.

Maxcycles im Engadin


In Chur verlassen wir die Rheinroute bereits nach 100 km und biegen ab auf die Graubünden-Route (Veloroute 6, Chur - St. Moritz - Scuol). Chur strahlt mit seinen Plätzen und zahlreichen Strassencafes ein nicht erwartetes südliches Ambiente aus. Hier "tanken" wir noch schnell die notwendige Kraft, für das absolute Highlight dieser Tour, den Albula Pass (2312 m). Auf dem Weg dorthin, zwischen Thusis und Tiefencastel sind 2 längere Strassentunnel zu passieren, hier empfiehlt es sich, den Bahnverlad der stündlich verkehrenden Rhätischen Bahn zu nutzen. Die Route hinauf zum Albula wird bis Preda von der wohl spektakulärsten Eisenbahnstrecke der Schweiz begleitet, die hier über akrobatische Viadukte verläuft und sich durch zahllose Kehrtunnel windet. Die Auffahrt zum Pass (1350 Höhenmeter) begeistert durch sehr wenig Autoverkehr und durch das Durchqueren aller Klima- und Vegetationsstufen der Alpen.

Nach zügiger Abfahrt erreicht man das im Inntal gelegen St. Moritz. Das muss man gesehen haben! - Muss man das gesehen haben?? Dieser Ort ist sicherlich anders als die ganze übrige Schweiz. Wo hat man sonst schon die Gelegenheit, auf seinem Velo neben einem Rolls-Royce herzufahren.

Maxcycles im Engadin Teil 2


Den Abschluss dieser einmaligen Radtour durch die Alpen bildet der Weg von St. Moritz nach Scuol. Obwohl dem Inn flussabwärts folgend, gilt es noch einmal 700 Höhenmeter zu bezwingen. Für die Anstrengung belohnt die Fahrt durch hervorragend erhaltene Bergdörfer (Guarda, Ardez, Ftan) mit prächtigen Engadiner Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die hoch über dem Tal auf Sonnenterrasen liegen. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, seitdem der Verkehr auf der Talstrasse fliesst. Scuol am Schluss der Etappe ist berühmt für seine rund 20 Heilquellen, aus einigen Dorfbrunnen fließt sogar reines Mineralwasser.

Tipps:

  • Wegen der ungeteerten Wegabschnitte, besonders im Verlauf der Graubünden-Route empfiehlt sich mindestens eine Bereifung mit 37 mm (37-622; 28x 1 3/8 x 1 5/8).
  • Für die (wenn auch kurzen) Tunnelpassagen ist Montage einer Radbeleuchtung sinnvoll.
  • Die im WERDVERLAG erschienen offiziellen Routenführer sind wegen der mit sprichwörtlichen Schweizer Gründlichkeit ausgeführten Beschilderung der Route für die Fahrt entbehrlich, machen aber unendlich viel "Spass" bei der Vorbereitung der Tour.
  • Infos im Web: www.veloland.ch


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