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Velotraum auf Sizilien

Den deutschen Sommer jenseits eines all-inclusive Badeurlaubs mit Charterclippern verlängern? Sizilien im Oktober ist da allemal gut. Nahezu ideal. Mit dem Rad eigentlich genial, eine ordentliche Bergkondition vorausgesetzt. Unvergessliche 750 km und 10.500 Höhenmeter liegen nach gut zwei Wochen durch das Land, wo die Zitronen blühen, hinter uns.

Perfekte Einstimmung war die Anreise mit dem Schiff nach Palermo. Gleich hinter Cefalu tauchten wir dann in die bis zu 2000 m hohe Bergwelt der Madonie ein, mit  atemberaubenden Blicken zum Meer und in eine ursprüngliche, fantastische weite Landschaft. Die Anstiege waren zum Teil recht lang, aber mit maximal 8% doch moderat, die Straßen in einem passablen Zustand und wenig befahren.

Nach den Medonie und den Nebrodi-Ausläufern lockte der Ätna. Abseits der Autozufahrten zu einer funivia oder zu Parkplätzen mit Explorer-Jeeps schlängeln sich zahlreiche Pfade und Wege auf und um dieses energiegeladene Massiv. Gut, dass unsere Räder off-road-geeignet waren und wir wenig Gepäck dabei hatten: das Velotraum mit 26' Schwalbe Dureme-Bereifung ist für aufrüttelnde Lavapisten wendig und stabil genug, in zwei kleine, Front-Roller Plus, Ortlieb-Satteltaschen passt alles rein. Wir näherten uns dem Berg von Süden, umrundeten ihn weiter oben  auf Waldwegen und Lavapisten, nahmen auf der Nordseite von ihm Abschied mit einer Abfahrt vom Rifugio Brunek (1400 m)  in einem Rutsch  nach Taormina. Von da an ging es dann - problemlos mit Zug und Bus weiter in den Süden - quer durchs Land nach Agrigento.

Tour in Sizilien


Des einen Lohn und Brot, des Harmoniesuchenden Touristenauges Leid: an der Südküste rollt es sich zwar gut, aber plastikbedeckte Tomatenplantagen und nichts sagende bis hässliche Hafenanlagen lassen kräftig und schnell in die Pedale treten, bei Scirocco wird das zu einer kräftezehrenden Sache.

In den Monti Iblei, der Berglandschaft im Südosten Siziliens, ist das Radvergnügen wieder ungetrübt: nah beieinander liegen hier sandige Badestrände, reizende Barockstädte, mit Steinmauern übersäte Hügel und tiefe Schluchten. Ein Revier, das sich – neben den Madonie –wärmstens fürs Rennrad empfiehlt!   Wenngleich oft viel Müll in der Landschaft liegt, wir hässliche Wohnsiedlungen an den Stadtperipherien durchquerten, das Rasen und Hupen der Autos in Ballungsgebieten uns nervte, die Sucht vieler Einheimischen nach „bella figura“ und schnellen Geld uns befremdlich war: Sizilien bleibt für uns dennoch eine Trauminsel. An jeder Ecke eine Cafébar, super Essen, himmlische dolci, vorzüglicher Wein,  beschauliche Nebenstraßen durch fantastische Landschaften, Meeresbuchten, die im Oktober noch zum Baden einladen, großartige Kulturstätten und vor allem herzliche  Menschen. Nette Empfänge und Hilfsbereitschaft allenthalben gab es in den oft liebevoll ausgestatteten B&B oder agriturismi.

Besonders herzliche Grüße und mille grazie für die sprichwörtliche sizilianische Gastfreundschaft gehen an unsere amici siciliani: Giacco & Paula; Marco und die ganze Familie Interlandi, Francesco und an Marina. A presto!

Susanne Taraschewski und Heiner Reiffenrath




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